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Buchtipp  Moderne Robinsonade

Isabell Autissier, Herz auf Eis 

Isabelle Autissier erzählt in diesem Roman eine moderne Robinsonade.

Als legendäre Seglerin hat sie selbst als erste Frau bei einer Regatta die Welt umrundet und widmete sich danach dem Schreiben.

Der etwas verkitschte deutsche Titel "Herz auf Eis" wird dem Buch nicht wirklich gerecht, da in jenem der Kampf eines jungen Paares

Isabelle Autissier  Herz auf Eis

ums Überleben bei einer Weltumsegelung auf dramatische und schonungslose Weise geschildert wird. Also keine Lektüre für zarte Nerven.

Geschildert wird ein junges Paar, gut betucht aus Paris, welche sich ein Sabbatjahr nehmen und die Welt umsegeln will. Bei einem Ausflug auf eine unbewohnte Insel vor Kap Hoorn reißt ein Sturm ihre Jacht und damit jegliche Verbindung zur Außenwelt mit sich fort. Was als kleiner Ausbruch aus dem Alltagsleben moderner Großstädter gedacht war, mündet urplötzlich in einen existenziellen Kampf gegen Hunger und Kälte. Nicht weniger aufreibend ist das psychologische Drama, das sich zwischen den Partnern entspinnt. "Wer trägt die Schuld an der Misere" - "Wer behält die Nerven und trifft die richtigen Entscheidungen" und was wird aus der Liebe, wenn es ums nackte Überleben geht.

Autissier weiß wovon sie schreibt. Sie weiß, wie es ist, einsam und alleine mit der Natur zu sein und das merkt man dem Roman an. Gefühlvoll und intensiv beschreibt sie die aufkommende Verzweiflung, die gegenseitigen Schuldzuweisungen und den aufkeimenden Hass der beiden Partner.

Das fesselnde und ohne Pathos geschriebene Buch zieht den Leser bis zur letzten Seite in seinen Bann.

Buchtipp  - Ein besonderes Kleinod

Usama Al Shahmani, In der Fremde sprechen die Bäume arabisch

Mit diesem Roman möchte ich Ihnen abseits der Bestsellerlisten ein Kleinod unter den Erscheinungen der letzten Jahre vorstellen.

Der Autor Al Shahmani, geboren in Bagdad hat arabische Sprache studiert und publizierte drei Bücher über arabische Literatur bevor er 2002 wegen eines Theaterstücks aus dem Irak fliehen musste und in die Schweiz kam.
Für sein Werk wurde er hier mittlerweile mehrfach ausgezeichnet.

In der Fremde sprechen die Bäume arabisch

Zum Buch: Usama wartet auf das Ergebnis seines Asylverfahrens und darauf, dass die Fremde etwas weniger fremd wird. Vor allem aber auf Nachricht von seinem Bruder, der in Bagdad spurlos verschwunden ist. Nur wenig erfährt er von seinen Verwandten , die sich im Irak auf eine ziellose Suche nach seinem Bruder begeben.

Unerwartet findet Usama Trost in der Natur. Im Wald schafft er es, sich selbst zuzuhören, streut seine Worte über Blätter und Äste, bewundert die Kraft eines Stammes. Langsam lernt er, der Stille aus der Heimat das Geräusch des Waldes entgegenzusetzen, der auch in der Fremde seine Sprache spricht.

"In der Fremde sprechen die Bäume arabisch" ist die Annäherung Usamas an zwei Heimaten, die verschiedener nicht sein könnten, an eine Geschichte, an Schicksal und den tiefen Schmerz einer ganzen Familie über einen für immer verlorenen Sohn.

Das Buch übernimmt die Schönheit und Poesie von Usama Al Shamanis Muttersprache und als Leser kann man sich der Faszination der Eindrücke nicht entziehen.

Buchtipp Reiseliteratur

Elke Heidenreich, Ihr glücklichen Augen Kurze Geschichten zu weiten Reisen

Ihr glücklichen Augen

Für alle die - auch im Winter - von nahen und von fernen Zielen träumen - hier ein Buch das die Phantasie anregt und Fernweh erzeugt.

Elke Heidenreich lässt uns eintauchen in fremde Städte, Länder, Gegenden und erzählt in der ihr eigenen lockeren und positiven Weise über Eindrücke, Menschen und interessante Episoden, welche Sie bei vielen Reisen erleben durfte. Fernab ausgetretener Pfade lässt sie uns teilhaben an Begegnungen des Zufall, an interessanten Gesprächen mit Menschen verschiedenster Couleur und oft übersehene Details erhalten so ganz plötzlich überraschenden Stellenwert.

Der Eine oder Andere wird beim Lesen sicherlich neugierig und erhält Anregungen

und neue Impulse für einen Urlaub der oft anderen Art .... Wie eine Kritikerin so schön

sagte: Heidenreich beschert uns "seitenweise Reiseglück"

Buchtipp   Ein spannender Pageturner


Joachim B. Schmidt schreibt Geschichte neu. Tell als Schullektüre oder Theaterstoff ist uns wohl allen bekannt.

Joachim B. Schmidt aber verwandelt den Tell-Stoff massiv  und macht einen superrasanten Roman daraus.

Joachim B.Schmitt

Zwanzig verschiedene Protagnisten jagen in jeweils eigenen ihnen zugedachten Kapiteln dem Höhepunkt entgegen. Joachim B. wechselt von Person zu Person, erzählt von Walter, Tells Sohn, seiner Frau Hedwig, von Tells Mutter, von Gessler, dem Vogt und Harras, seinem wilden Vasallen und gibt ihnen ihre eigene Stimme.

Die Geschichte entwickelt von der ersten Seite an einen Sog, dem man sich als Leserin und Leser nicht entziehen kann.

In Schmidts Tell kämpft ein Jäger und Bauer gegen Unterdrückung und Misshandlung.

Schmidt holt Tell dabei von dem uns bekannten heroischen Sockel und macht ihn zu einem urwüchsigen Menschen der für Freiheit und Gerechtigkeit kämpfen will.

Ich habe das Buch atemlos gelesen und kann dieses Buch allen Liebhabern starker und

eigenwilliger Geschichten unbedingt weiterempfehlen.

Buchtipp Roman

Isabelle Autissier: Klara vergessen.

Klara Vergessen


Murmansk, 2017. Juri, der als Ornithologe in den USA lebt, kehrt nach vielen Jahren in seine Heimatstadt zurück. Sein Vater Rubin, ein Hochseefischer, zu dem er den Kontakt abgebrochen hatte, liegt im Sterben und kann doch nicht loslassen. Als kleiner Junge hat Rubin mitansehen müssen, wie seine Mutter Klara, eine Wissenschaftlerin, von Stalins Handlangern festgenommen und verschleppt wurde. Dieser Verlust hat Rubin geprägt und aus ihm einen verbitterten, hartherzigen Menschen gemacht. Nun bittet er seinen Sohn herausfinden, was damals mit Klara passiert ist. Und tatsächlich stößt Juri bald auf eine Spur, die endlich Gewissheit bringen könnte...

Die Autorin Isabelle Autissier war 1991 die erste Frau welche bei einer Segelregatta

die Welt umrundete. Danach widmete sie sich dem Schreiben und legt mit diesem Roman eine packende Familiensaga vor, welche die Verflechtungen dreier Generationen in fesselnder Weise schildert.

Die Ereignisse in Familie und Gesellschaft vollziehen sich vor einer großartigen Naturkulisse und zeigen mit Ihrer Auswirkung aufs Neue die Macht transgenerationaler Traumata.

Eines meiner Lieblingsbücher: spannend, lehrreich und unterhaltsam.

Buchtipp   Romanbiographie

Eine faszinierende Romanbiografie über die Liebesbeziehung zwischen Irlands berühmtesten Dichter James Joyce mit Nora Barnacle

Die zwanzigjährige Nora lernt den zwei Jahre älteren James Joyce kennen und die Autorin lässt keinen Zweifel an der anfangs rein körperlichen Liebe der Beiden.

Nuala O'Connor
Nora Joyce und die liebe zu den Büchern

Nora, welche aus ärmsten Verhältnissen stammt ist bereit, für den schwierigen und stets sperrigen James Joyce ihrer beiden vom britischen Staat und der katholischen Kirche beherrschte Heimatinsel Irland aufzugeben und seine Instabilität und fragile Welt auf sich zu nehmen. Wohnorte wechseln ständig und Armut und Joyce'ns Trunksucht prägen ihr Leben. Obwohl er die Ehe ablehnt willigt er 1931 in eine standesamtliche Ehe ein. Nora hält die Familie über Wasser und fiebert mit Joyce seinem literarischen Durchbruch entgegen.

Lange Zeit wurde die Rolle der Nora von der Nachwelt vernachlässigt. Erst spät wurde klar, daß Nora für Joyce das verkörperte, was ihm fehlte: Stärke, Sicherheit, Wärme, Leichtigkeit James Joyce verewigte Nora als Vorbild für Molly Bloom in seinem berühmten Ulysses. Außerdem galt Nora vielen Frauenfiguren in den Dubliners als Vorbild.

Buchtipp    Roman

Ein Dorf geht unter - aus der Geschichte Südtirols

Als Urlauber kennen wir wohl alle den Reschensee nahe der österreichisch-italienischen Grenze. Aber kennen wir auch die Geschichte des Kirchturms, welchen wir im Vorbeifahren erkennen können? Den Kirchturm des Dorfes Graun welcher aus dem See herausragt.

Marco Balcano
Ich bleibe hier

Marco Balzanos Roman "Ich bleibe hier" ist die Geschichte über die Tragödie eines Südtiroler Dorfes unter Mussolini während und nach der Italienisierung. Balzano erzählt hier, mit der jungen Lehrerin Trine im Mittelpunkt, von der Übernahme des Dorfes Graun durch Mussolini. Trine muss sich, wie alle Südtiroler 1939, in einer Abstimmung entscheiden zwischen Deutschland und einem benachteiligten Leben in Italien. Sie leistet erbitterten Widerstand gegen die Faschisten und erlebt wie ihre Familie zerrissen wird und der Bau eines Staudammes 1950 das Dorf und damit ihre Heimat vernichtet.

Eine sehr berührende und packende Geschichte um Leid und Vertreibung in Südtirol anhand der Geschichte einer jungen Lehrerin.

Buchtipp    für Kunstliebhaber

Zum 250. Geburtstag des Greifwalder Malers beglückt uns Florian Illies mit  seinem wunderbaren Buch über Caspar David Friedrich.

Illies erzählt elegant und zugleich fesselnd über den Werdegang des menschenscheuen  Künstlers

Zauber der Stille
Florian Illies

und das Entstehen seiner rätselhaften Sehnsuchtsbilder.

Mit Leichtigkeit und Ironie wechselt der Autor dabei die Jahrhunderte, um dem Leser von spannenden Episoden zu erzählen, welche sich um Künstler und Bilder ranken.

Illies schenkt uns mit diesem Buch ein mitreißendes aber auch einfühlsames Porträt des in der Vergangenheit oft vergessenen Künstlers, um ihn als Wegbereiter der Moderne neu zu entdecken.

Auch wer die große Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle zum 250. Geburtstag des Künstlers nicht gesehen hat, wird beim Lesen eintauchen in die Magie der Friedrich'schen Bilder und den "Zauber der Stille" atmen.

Buchtipp     Roman

Eine meisterhaft, mit feinem aber auch spitzem Humor erzählte Geschichte über eine zerrüttete Ehe und die Abgründe zwischenmenschlicher Beziehungen.

Als Joan Castleman beschließt, sich von ihrem Mann, dem bekannten Schriftsteller Joe zu trennen, befinden sie sich gerade auf dem Flug nach Helsinki zur Verleihung eines anerkannten Literaturpreises.

Meg Wolitzer
Die Ehefrau

Sie lässt ihr Leben mit vierzig Jahren Ehe Revue passieren. Das Leben einer jungen talentierten Studentin im Seminar für kreatives Schreiben, die Ehe mit dem noch unbekannten Dozenten im Amerika der Fünfzigerjahre bis hin zu seinem steilen Aufstieg als renommierter Schriftsteller. Sie hat ihm alles geopfert - als Mutter dreier Kinder ihre eigene Karriere, ihre Rolle in der literarischen Gesellschaft und ein Leben im Schatten ihres untreuen Mannes geführt.

Bis sie eines Tages beschliesst, den Lügen ihres Mannes ein Ende zu setzen....

Ein lesenswerter und aufrüttelnder Roman der mit Clenn Close und J. Pryce unter  dem Titel "Die Frau des Nobelpreisträgers" verfilmt wurde.

Buchtipp    Allgäukrimi

Immer wieder verschwinden Frauen und Männer in der Nähe des alten Korbach-Hofes. Die seit Generationen dort ansässige Familie steht unter Verdacht, etwas mit den Vermisstenfällen zu tun zu haben. Beweise wurden nie gefunden. Als der Hof zum Verkauf steht, ahnen Journalist Robert Walcher und seine kauzig-liebenswerte Haushälterin Mathilde, dass die Auflösung der Fälle endlich näher gerückt ist.

Sie beginnen zu recherchieren und stoßen auf eine Familiengeschichte, die über Generationen zahlreiche Opfer gefordert hat und bald geraten auch sie selbst in das Visier des Täters. Ein "Allgäu-Krimi" der sich von der Menge der vielen Artgenossen abhebt und Beschreibungen von Land und Leuten nicht aufdringlich oder aufgesetzt wirken lässt sondern authentisch daherkommt. Auch findet der Autor eine angenehme Mischung aus Mundart und Hochdeutsch. Insgesamt sehr spannend und man freut sich auf die weiteren Fälle mit Journalist Robert Walcher.

Buchtipp    Naturliebhaber 

Das Marschmädchen Kya Clark lebt isoliert im Marschland mit seinen Salzwiesen und Sandbänken. 

Sie kennt jeden Stein und Seevogel, jede Muschel und Pflanze. Als zwei junge Männer auf die wilde Schöne aufmerksam werden, öffnet Kya sich einem neuen Leben - mit dramatischen Folgen.

Das Buch besticht durch wunderbare, einfühlsame Naturbeschreibungen und schildert das Heranwachsen eines jungen Mädchens in einsamer, stiller Landschaft. Langsam entwickelt sich eine berührende Liebesgeschichte, die nach und nach in einen packenden Kriminalfall mündet, welche den Leser in seinen Bann zieht.

Buchtipp    Autobiographischer Roman

Dieses Buch wurde mir vor etlichen Jahren in einer Kaufbeurer Buchhandlung von meinem Lieblingsbuchhändler in die Hand gedrückt mit den Worten "Wenn sie dieses Buch gelesen haben, brauchen sie kein anderes Buch mehr lesen".

Ich habe seitdem noch viele Bücher gelesen, aber dieser autobiographische Roman nimmt einen besonderen Platz in meinem Regal ein:

Hier wird die Geschichte eines jungen Mannes von seinen Kinderjahren bis zu seinen ersten Erfolgen als Schriftsteller erzählt. Als einziges Kind seiner Eltern, die im Zweiten Weltkrieg und in der Zeit danach vier Söhne verloren haben, wächst er in Köln auf. Die Mutter ist stumm geworden und auch ihr letzter Sohn lebt stumm an ihrer Seite. Nach Jahren erst kann er sich aus der Umklammerung der Familie lösen, in Rom eine Karriere als Pianist beginnen und nach dessen Scheitern versuchen, mit dem Schreiben sein Glück zu machen.

Ortheil gelingt auf ehrliche und sensible Weise die wunderbare Geschichte einer Ichwerdung und berührt den Leser zutiefst.

Buchtipp  Roman einer großen Freundschaft

Paolo Cognetti: Acht Berge
2017

Eine Geschichte vom Aufbrechen und vom Wiederkehren:
Aus Freundschaft kann Heimat werden. Das stellen die beiden Elfjährigen Pietro und Bruno begeistert fest als sie sich in dem kleinen norditalienischen Bergdorf Grana begegnen. Sie streifen gemeinsam durch sommerliche Almwiesen und schattige Täler oder genießen fröhlich den klaren Bergsee. Bruno voraus, weil er hier lebt. Aber das Stadtkind Pietro verbringt fortan die Sommerferien bei ihm in den Bergen .
Als Männer schlagen die Freunde verschiedene Wege ein. Der eine wird sein Heimatdorf nie verlassen, der andere zieht als Dokumentarfilmer in die Welt hinaus. Doch immer wieder kehrt Pietro in die Berge zurück, zu diesem Dasein in Stille, Ausdauer und Maßhalten. Er ringt mit Bruno um die Frage, welcher Weg der richtige ist. Stadt oder Land? Gehen oder Bleiben? Was zählt wirklich im Leben?
Die Faszination, die von den Bergen ausgeht, ergreift einen bereits auf den ersten Seiten. Vor der ehrfurchtgebietenden und grandiosen Kulisse des Monte-Rosa-Massivs schildert Paolo Cognetti mit poetischer Kraft die lebenslange Suche zweier Freunde nach dem Glück.
Acht Berge ist ein besonderes Buch mit viel Tiefe, wurde in über dreißig Sprachen übersetzt und mit einem großen italienischen Literaturpreis ausgezeichnet.
Inzwischen ist der Roman auch als Film (Programmkinos) erschienen und in Cannes von der Jury ausgezeichnet worden.
Ein wunderbares Buch: einfach Lesen!

08341/9660955

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